
Warum Fleiß allein dich nicht durch die Prüfung bringt: 9 Lerntipps, die wirklich helfen
Viele Prüflinge lernen wochenlang und gehen trotzdem mit einem schlechten Gefühl in die Prüfung. Fast nie liegt es am Fleiß. Meist liegt es daran, wie du lernst.
Wenn man kurz vor seiner Prüfung steht ist man vielleicht ein wenig unbeholfen und ungeschickt, aber sicherölich nicht Doof. Wie man richtig lernt, bringt einem meistens niemand bei. Also macht man es so, wie man es aus der Schule kennt: lesen, markieren und kurz vorher alles reinpauken. Das fühlt sich nach viel Arbeit an und bringt erstaunlich wenig.
Hier kommen 9 Tipps, die in jeder Prüfung funktionieren: ob Zwischenprüfung, Gesellenprüfung oder Meisterprüfung.
1. Lerne nach Gewichtung, nicht nach Angst
Die meisten fangen mit dem Thema an, vor dem sie am meisten Angst haben. Nur ist das selten der Teil, der am meisten zählt.
Schau deshalb zuerst in deine Prüfungsordnung: Welcher Teil zählt wie viel? Und welcher Bereich lässt sich nicht ausgleichen? Der größte Brocken bekommt meist die größte Lernzeit.
Denk dabei auch wie eine Prüferin oder ein Prüfer: Was würdest du an dieser Stelle abfragen? Genau diese Fragen übst du zuerst. Wie deine Prüfung genau gewichtet ist, erfährst du bei deiner zuständigen Handwerkskammer bzw. in deiner Prüfungsordnung. Dort findest du die verbindlichen Vorgaben für deinen Prüfungs gang oder Prüfungsbereiche, Punkteverteilung und Bestehensregeln.
2. Markieren ist nicht gleich Lernen
Ein Text voller Leuchtstift sieht fleißig aus. Aber Lesen und Markieren ist auf Dauer anstrengend. Hängen bleibt dabei oft wenig. Dein Kopf erkennt den Inhalt zwar wieder, muss ihn aber nicht selbst hervorholen.
Klappe das Buch lieber zu, stelle dir eine Frage und antworte aus dem Kopf. Genau dafür sind Karteikarten ideal: Erst selbst antworten, dann umdrehen. Die Karten, die nicht sitzen werden nochmal wiederholt.
3. Lieber oft kurze Lernphasen als einmal lang
Drei Stunden am Stück kurz vor der Prüfung bringen meist weniger als dreimal 20 Minuten, verteilt über eine Woche.
Wiederhole ein Thema nach einem Tag, nach drei Tagen und nach einer Woche. So wandert das Wissen nach und nach ins Langzeitgedächtnis. Am Ende musst du nicht mehr pauken, sondern nur noch auffrischen.
4. Verstehen ist gut, erklären können ist besser
Beim Lesen wirkt vieles logisch. Im Fachgespräch fehlen dann plötzlich die Worte, obwohl du das Thema eigentlich kannst.
Erkläre es deshalb laut. Als würdest du mit einer Kundin sprechen. Deinem Spiegel, einer Freundin oder einer Kollegin im Salon. Wenn du ein Thema in einfachen Worten erklären kannst, hast du es wirklich verstanden. Und nebenbei übst du genau das, was im Fachgespräch gefragt wird.
5. Übe den Prüfungstag vorher
Viele lernen jedes Thema einzelnd, sitzen aber nie eine ganze Prüfung am Stück durch. Am Prüfungstag merken sie dann, dass die Zeit knapp wird oder dass sie eine Frage anders beantwortet haben, als sie eigentlich wollten.
Mache mindestens eine komplette Probeprüfung und stoppe dabei die Zeit. Lies zuerst alle Fragen einmal grob durch, damit du weißt, was auf dich zukommt. Dann beginne wieder von vorn, lies jede Frage genau und antworte so, wie es verlangt ist: als Aufzählung, Erklärung oder Skizze.
So merkst du rechtzeitig, wo es noch hakt. Und am Prüfungstag ist nichts mehr neu.
6. Nutze die Lücken in deinem Alltag
Zwischen Salon, Berufsschule oder Meisterkurs und dem Rest des Lebens bleibt kaum ein freier Abend. Das kennen die meisten.
Nutze deshalb die Zeit, die du sowieso hast: die Bahnfahrt, den Spaziergang mit dem Hund oder die Pause zwischen zwei Kund:innen. Genau dafür gibt es die PODTRAS-Folgen. Zum Wiederholen und Festigen, ganz ohne Schreibtisch.
7. Der Prüfungstag beginnt am Abend davor
Wer am Prüfungsmorgen noch Material zusammensucht, startet gestresst in den Tag. Packe deshalb schon am Vorabend deine Tasche und dein Material, hake deine Checkliste ab und gehe möglichst früh schlafen.
Mein kleiner Entspannungstrick: Räum deine Lernunterlagen danach ein oder weg. Wenn alles gut läuft, brauchst du sie nach dem Prüfungstag nicht mehr. Das schafft einen bewussten Abschluss der Vorbereitung und gibt dir und deinem Kopf Ruhe für den Prüfungstag.
Du hast dich in den letzten Monaten intensiv vorbereitet. Du schaffst das.
8. Schaffe Vertrautes in der Prüfungsstimmung
Neuer Raum, fremde Prüfer:innen, alles ist anders als sonst. Genau dieses Unbekannte macht viele nervös.
Nimm dir beim Lernen deinen Lieblings-Snack oder dein Lieblingsgetränk – und am Prüfungstag ebenfalls. Der vertraute Geschmack verbindet sich mit einem Gefühl von Routine und kann dir helfen, ruhiger und konzentrierter zu starten.
9. Glaube an dich selbst
Kurz vor der Prüfung sehen viele nur noch, was sie alles nicht können. Dabei vergessen sie, wie viel sie jeden Tag schon leisten.
Glaube an dich. Du bist eine fantastische Handwerkerin bzw. ein fantastischer Handwerker und du hast es verdient, den Meistertitel zu tragen. Du arbeitest jeden Tag mit deinem Wissen und deiner Erfahrung. Nutze deine Lernzeit deshalb nicht nur zum Neulernen, sondern auch als Auffrischung deiner Fähigkeiten. Du kannst mehr, als du manchmal denkst.
Diese Tipps ersetzen weder deine Prüfungsordnung noch die Absprache mit deinem Betrieb, deiner Berufsschule oder deiner Meisterschule. Was genau geprüft wird und wie es gewichtet ist, regelt deine Kammer. Schau dort nach, bevor du deinen Lernplan aufbaust.
Dein nächster Schritt
Du musst nicht alle neun Tipps auf einmal umsetzen. Such dir heute einen aus und probiere ihn diese Woche aus. Das reicht schon.
Und wenn du lieber hörst als liest: Auf podtras.de findest du Lern-Podcasts zu den Prüfungsthemen im Friseur- und Kosmetikhandwerk, mit Leseskript und Karteikarten zu jeder Folge.
Ich drücke dir die Daumen. Du schaffst das!
Celine
Friseurmeisterin & Gründerin von PODTRAS
