Diffuser Haarausfall im Salon: Der Fragen-Fahrplan für die Beratung am Waschbecken

„Ist das jetzt schon zu viel, was hier im Waschbecken liegt?“
Diese Frage kommt fast immer genau in dem Moment, in dem die Kundin selbst auf das Sieb im Abfluss schaut. Über die medizinischen Hintergründe von diffusem Haarausfall haben Mara, Jasmin und ich in einem früheren Beitrag schon gesprochen: kein festes Muster, meist ein telogenes Effluvium, bei dem ein Ereignis viele Follikel gleichzeitig in die Ruhephase schickt. Was da noch fehlte, ist der praktische Teil. Was du konkret fragst, in welcher Reihenfolge, und wonach du dabei schaust.
Diffuser Haarausfall: erstmal die Zahl einordnen
Zwanzig bis hundert Haare am Tag sind normal, an Waschtagen auch mal mehr, weil sich mehrere Tage Haarwechsel auf einmal lösen. Erst wenn über mehrere Wochen deutlich mehr ausfällt und sich das Haar insgesamt sichtbar ausdünnt, wird es zum Thema. Ein grober Anhaltspunkt im Salon ist der Zupftest: An mehreren Stellen der Kopfhaut vorsichtig an einer kleinen Haarpartie ziehen. Bleiben dabei mehr als fünf, sechs Haare gleichzeitig in der Hand, ist das ein Hinweis, mehr aber auch nicht. Eine echte Diagnose ersetzt das nicht, dafür braucht es den Arzt.
Der Blick drei Monate zurück
Das Verzwickte am telogenen Effluvium ist die Verzögerung. Der eigentliche Auslöser liegt meist drei bis vier Monate zurück, wenn das Haar sichtbar ausfällt. Deshalb lohnt sich im Gespräch der Blick zurück, nicht nach vorn: eine Geburt, ein fieberhafter Infekt, eine Operation unter Vollnarkose, eine radikale Diät, ein neues Medikament, das Absetzen der Pille, oder einfach eine besonders belastende Zeit. Oft fällt der Kundin selbst gar nicht auf, dass zwischen dem Ereignis und dem Haarausfall ein paar Monate liegen, bis du sie gezielt danach fragst.
Der meistunterschätzte Wert
Bei diffusem Haarausfall wird ein Auslöser besonders oft übersehen, weil er sich nicht sofort zeigt: Eisenmangel. Genauer gesagt ein niedriger Ferritinwert, das ist die Speicherform von Eisen im Körper, die auch dann schon niedrig sein kann, wenn der normale Blutwert noch unauffällig aussieht. Das lässt sich nur mit einem Bluttest beim Hausarzt klären, aber der Hinweis dazu kostet dich nichts und kann für manche Kundin der entscheidende Anstoß sein, es endlich checken zu lassen.
Was du empfehlen kannst, ohne zu viel zu versprechen
Ist die Ursache erst mal gefunden und behoben, braucht das Haar trotzdem Zeit, meist zwei bis drei Monate, bis sich sichtbar etwas verändert. Das ist der Punkt, an dem viele ungeduldig werden und zu radikalen Mitteln greifen, obwohl einfach nur Geduld gefragt ist. Eine koffeinhaltige Ansatzpflege kann in dieser Zeit unterstützen, sie ist aber Begleitung, kein Ersatz für die eigentliche Ursachenbehebung. Ein Satz, der bei mir gut ankommt: „Das sieht für mich nach einer vorübergehenden Reaktion aus, nicht nach der erblichen Form. Lassen Sie trotzdem den Eisenwert checken, das ist schnell gemacht und gibt Ihnen Sicherheit, egal was rauskommt.“
Genau diese und weitere Punkte, mit noch mehr Beispielen aus dem echten Salonalltag, hörst du bei Mara und Jasmin in Staffel 3 der Trichologie. Alle Staffeln und Abo-Modelle findest du hier unter podtras.de
