Haarausfall im Salon: Wie du erblichen, diffusen und kreisrunden Ausfall auseinanderhältst

Ein Haarbüschel liegt auf der Hand einer jungen Frau.

 

„Celine, bilde ich mir das ein, oder wird das hier oben weniger?“

Diese Frage höre ich öfter, als du denkst, meistens genau dann, wenn ich gerade die Haare föhne. Ab diesem Moment bin ich keine Handwerkerin mehr, sondern die erste, der sich jemand mit seiner größten Sorge anvertraut.

Haare sind die eigene Identität. Wenn morgens plötzlich mehr in der Bürste hängt als sonst, ist bei vielen der ganze Tag gelaufen. In diesem Moment hilft kein Produkt aus dem Regal, sondern ehrliche Worte, die wirklich erklären, was gerade passiert.

Erblich, diffus oder kreisrund, das erste Muster zählt

Bevor ich irgendwas empfehle, schau ich mir immer zuerst das Verteilungsmuster an.

Zeigt sich die Ausdünnung in klaren Zonen, etwa als Geheimratsecken und Tonsur bei Männern oder als lichter werdender Scheitel bei Frauen, handelt es sich um androgenetischen Haarausfall, also die erblich bedingte Form. Wird das Haar dagegen gleichmäßig über den ganzen Kopf dünner, ohne dass sich eine Zone erkennen lässt, dann ist es eher diffuser Haarausfall. Und bildet sich eine einzelne, scharf begrenzte, komplett haarfreie runde Stelle, wie mit dem Zirkel gezogen, dann ist das kreisrunder Haarausfall, die Alopecia areata, meist eine Reaktion des Immunsystems gegen die eigenen Haarfollikel.

Drei Muster. Drei völlig unterschiedliche Geschichten.

DHT, und die Sache mit dem Schrumpfen

Beim androgenetischen Haarausfall spielen die Gene die Hauptrolle. Manche Haarfollikel, die kleinen Wurzelkammern in der Kopfhaut, reagieren erblich empfindlich auf ein Hormon namens Dihydrotestosteron, kurz DHT, das aus Testosteron entsteht. Bindet DHT an einen empfindlichen Follikel, tritt es auf die Bremse. Die Wachstumsphase wird kürzer, die Ruhephase länger. Hältst du ein ausgefallenes Haar gegen das Licht, siehst du den Unterschied. Ein gesundes Haar hat einen kräftigen, gleichmäßig dicken Schaft, ein miniaturisiertes wirkt fast wie Flaum, dünn, kurz, fast durchsichtig, Fachleute nennen diesen Schrumpfungsprozess Miniaturisierung.

Beim Scheiteln fällt es oft zuerst am Oberkopf auf: Dort scheint die Kopfhaut stärker durch als sonst. Der vordere Haaransatz wirkt dabei häufig noch voll. Viele rechnen mit Geheimratsecken, wie sie es vielleicht vom Vater oder Bruder kennen, merken dann aber, dass sich der Haarausfall anders zeigt. Bei Frauen bleibt der vordere Haaransatz oft lange dicht, während Scheitel und Oberkopf nach und nach lichter werden.

Stress, Rauchen, einseitige Ernährung können das beschleunigen, der eigentliche Auslöser bleibt aber die erbliche Empfindlichkeit gegenüber DHT.

Wenn der ganze Kopf betroffen ist

Beim diffusen Haarausfall gibt’s keine klaren Strukturen, die man erkennen kann. Meistens steckt etwas anderes dahinter, ein Infekt, starker Stress, eine Hormonumstellung, ein Nährstoffmangel.

Meist ist es ein telogenes Effluvium, Effluvium heißt in der Fachsprache einfach verstärkter Haarausfall. Ein Ereignis, hohes Fieber, eine Diät, eine stressige Prüfungsphase, schickt viele Follikel gleichzeitig in die Ruhephase. Drei, vier Monate später fällt das Haar dann deutlich sichtbar aus, obwohl der eigentliche Auslöser da längst vorbei ist. Seltener ist das anagene Effluvium. Hier stoppen starke Medikamente wie Zytostatika, wie sie in der Chemotherapie eingesetzt werden, die Wachstumsphase direkt, dann fallen die Haare oft schon nach wenigen Wochen aus.

Wenn eine einzelne Stelle betroffen ist

Kreisrunder Haarausfall, die Alopecia areata, sieht aus, als hätte jemand mit dem Zirkel eine Stelle freigeschnitten, scharf begrenzt, meist rund oder oval. Dahinter steckt eine Verwechslung im Immunsystem, es hält die eigenen Haarfollikel für Fremdkörper und greift sie an, eine Entzündung direkt an der Haarwurzel.

Der Follikel wird dabei in der Regel nicht zerstört, er geht eher in eine Art Schlafmodus, trotzdem ist der Verlauf völlig unberechenbar. Manchmal wächst das Haar innerhalb weniger Monate von allein nach, manchmal bleibt die Stelle über Jahre, manchmal kommen neue Stellen dazu. Das kannst du leider nicht vorhersehen.

Für dich im Salon heißt das vor allem zuhören und weiterschicken. Ein Dermatologe kann mit entzündungshemmenden Behandlungen wie Cortison-Injektionen arbeiten. Was du übernehmen kannst, ist der Umgang mit der sichtbaren Stelle bis zur nächsten Untersuchung, ein Schnitt, der sie kaschiert, und das ehrliche Gespräch, dass ein unregelmäßiger Verlauf normal ist.

Was du sagen kannst, ohne zu viel zu versprechen

Untersuchungen wie ein Trichogramm, heute oft Trichoscan genannt, oder ein Bluttest gehören in ärztliche Hände. Das machen wir Friseure nicht. Was wir aber können: ruhig und ehrlich einordnen, was wir sehen. Ein Satz, der bei mir gut funktioniert, ist: „Ich sehe, dass es hier etwas lichter wird. Wir können gemeinsam schauen, wie wir das mit Schnitt und Farbe gut auffangen. Und wenn Sie möchten, lassen Sie es zusätzlich fachärztlich abklären.“

Optisch kann ich einiges tun. Durchgestufte Schnitte bringen Volumen zurück. Ein leicht versetzter Scheitel kaschiert eine durchscheinende Linie besser als jeder Mittelscheitel. Feine Ton-in-Ton-Strähnen lassen die Kopfhaut weniger durchblitzen als harte Kontraste. Was ich nie mache? Wunder versprechen, die ich nicht halten kann.

Genau diese und weitere Punkte, mit noch mehr Beispielen aus dem echten Salonalltag, hörst du bei Mara und Jasmin in Staffel 3, Trichologie. Alle Staffeln und Abo-Modelle findest du unter podtras.de